Anleihen-ETF oder Einzelanleihen: Was ist der Unterschied?
Von Redaktion 10BONDS
Veröffentlicht am
Kurz gesagt: Eine Einzelanleihe hat ein festes Fälligkeitsdatum; wer sie bis zum Ende hält, kennt beim Kauf die Rendite, sofern der Emittent zahlt. Ein klassischer Anleihen-ETF hat keine Fälligkeit, tauscht laufend Anleihen aus und schwankt deshalb dauerhaft mit den Zinsen, bietet dafür aber breite Streuung mit wenig Kapital.
Beide Wege führen an den Anleihemarkt, sie funktionieren aber unterschiedlich. Eine Bundesanleihe, eine OAT oder eine Unternehmensanleihe im Depot ist ein einzelnes Wertpapier eines einzelnen Emittenten. Ein Anleihen-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Korb aus vielen Anleihen hält und meist einem Index folgt.
Was passiert bei Fälligkeit?
Eine klassische Einzelanleihe zahlt an einem festen Tag den Nennwert zurück. Die Rendite bis Fälligkeit steht mit dem Kaufkurs fest: Zwischenzeitliche Kursschwankungen spielen keine Rolle, wenn Sie die Anleihe bis zum Ende halten und der Emittent zahlt.
Ein klassischer Anleihen-ETF zahlt dagegen nie an einem bestimmten Tag zurück. Er verkauft Anleihen, bevor sie fällig werden, und kauft neue mit längerer Laufzeit. Seine Duration bleibt dadurch ungefähr konstant, und sein Kurs reagiert dauerhaft auf Zinsänderungen. Die angegebene Rendite eines ETF ist ein Durchschnitt über alle gehaltenen Anleihen, der sich täglich ändert.
Es gibt auch Anleihen-ETFs mit festem Laufzeitende. Sie verhalten sich anders als klassische ETFs und ähneln eher einem Korb aus Anleihen mit ähnlicher Fälligkeit.
Wie unterscheiden sich Streuung und Risiko?
Mit einer Einzelanleihe tragen Sie das Kreditrisiko genau eines Emittenten. Bei Bundesanleihen ist das kaum ein Thema, bei einer Unternehmensanleihe dagegen schon. Ein breit aufgestellter ETF verteilt das Geld auf viele Emittenten und Laufzeiten, sodass ein einzelner Ausfall weniger ins Gewicht fällt.
Mit mehreren Einzelanleihen lässt sich ebenfalls streuen, das erfordert aber mehr Kapital: Manche Unternehmensanleihen haben eine hohe Mindeststückelung. Das Zinsänderungsrisiko tragen Sie in beiden Fällen; wie stark es wirkt, zeigt die Duration.
Welche Kosten fallen an?
- Einzelanleihe: Ordergebühren beim Kauf und gegebenenfalls Verkauf, die Geld-Brief-Spanne an der Börse und eventuell Depotgebühren. Laufende Fondskosten gibt es nicht.
- Anleihen-ETF: zusätzlich die laufenden Kosten des Fonds (TER), die jedes Jahr vom Fondsvermögen abgehen, plus Ordergebühren und Spanne. Viele Broker bieten ETF-Sparpläne an.
Wie sieht es mit den Steuern aus?
Zinsen und Kursgewinne aus Einzelanleihen unterliegen in Deutschland grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Für Fonds und ETFs gelten die Regeln des Investmentsteuergesetzes, etwa die Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds. Lassen Sie Ihre persönliche Situation von Ihrer Bank oder einem Steuerberater prüfen.
Die Unterschiede im Überblick
| Merkmal | Einzelanleihe | Klassischer Anleihen-ETF |
|---|---|---|
| Fälligkeit | Fester Rückzahlungstermin | Keine, laufende Umschichtung |
| Rendite | Beim Kauf bekannt, wenn bis Fälligkeit gehalten | Durchschnitt, ändert sich täglich |
| Streuung | Ein Emittent | Viele Emittenten und Laufzeiten |
| Laufende Kosten | Keine Fondskosten | TER |
| Zinsrisiko | Nimmt mit der Restlaufzeit ab | Bleibt etwa gleich |
Wann passt welcher Weg?
Eine Antwort für alle gibt es nicht, weil beide Instrumente unterschiedlich gebaut sind. Wer zu einem bestimmten Termin einen festen Betrag braucht, achtet oft auf Anleihen mit genau dieser Fälligkeit. Wer mit wenig Kapital breit streuen möchte oder regelmäßig sparen will, schaut eher auf ETFs. Beide lassen sich auch kombinieren. Wie sich Staats- und Unternehmensanleihen unterscheiden, erklärt der Ratgeber Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen?
Häufige Fragen
Kann ein Anleihen-ETF Verluste machen, wenn ich lange halte?
Ja. Weil ein klassischer ETF nie fällig wird, gibt es keinen Termin, an dem Kursverluste durch die Rückzahlung wieder ausgeglichen werden. Er profitiert aber umgekehrt davon, dass er neue Anleihen zu höheren Zinsen kauft.
Wo sehe ich die Rendite einzelner Anleihen?
Im Anleihen-Finder von 10BONDS und auf der Seite zu den Bundesanleihen mit der aktuellen Zinskurve.
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